Wissenswertes

hier gibts einige Facts zu den Flippern für die "Süchtigen" und die die's werden wollen...

 

 

Flippermerkmale

JENTZSCH & MEERZ BALLY GOTTLIEB WILLIAMS

 

 

 

Gängige äußere Flippermerkmale – beginnend mit dem Jahr 1948

Ihr habt ne "Kiste" aufm Dachboden und wisst nicht wie alt sie ist? Hier ein paar kleine Merkmale damit man wenigstens einen Schritt weiter kommt..

1948-1957:  Spielfeld- sowie Lichtkasten-Scheibe (="Backglass") sind mit Leisten aus Holz (sog.„Woodrails") umrandet. Die Flipperbeine sind ebenfalls aus Holz. Die Punkteanzeige ist fest auf das Backglass eingedruckt und wird beim Treffen bestimmter Spielfeldziele beleuchtet.
ab 1958:   Die Holz-Flipperbeine werden durch Beine aus Stahl ersetzt.
ab 1960:   Die Woodrails werden durch Aluminiumleisten ersetzt.
1960-1969:  Die bedruckte Punkteanzeige weicht den mechanischen Zählwerken (sog."Score Reels"). Die Punkteanzeige erfolgt zunächst dreistellig mit beleuchteter 1 Tausend dann ab Mitte der 60ger Jahre vierstellig.
1970-1975:  Die Punkteanzeige ist fünfstellig. Dabei sind nur je vier Score Reels in einer Spielereinheit angebracht. Die letzte „0" ist lediglich aufgemalt.
1976-1977:  Die letzten elektromechanischen Flipperautomaten kommen mit sechsstelligen Anzeigen auf den Markt.
ab 1977: Vollelektronisch gesteuerte Geräte verdrängen die mechanischen Vorgänger. Die Punkteanzeige ist nun digital und zunächst auch sechsstellig (bis Anfang 1980).
ab 1980:   Die Anzeige ist siebenstellig.
ab 1986:   Mit den sog. alphanumerischen Displays können erstmals auch Buchstaben angezeigt werden.
1989-1990:  Breitere, 16-stellige Anzeigen sind in den neusten Geräten eingebaut.
1990-1999:      Die Punktedarstellung wird zusammen mit anderen optischen Effekten (z.B. "Video-Modus") durch ein großes Allzweckdisplay (sog. "Dot-Matrix-Display") angezeigt
2000-2001:      Die PINBALL 2000-Ära: Ein kompletter Bildschirm übernimmt kurzfristig die Anzeige, welche optisch mit dem Spielfeld "verschmilzt". Die Grafik der dargestellten Sequenzen kann sich durchaus mit den Computerspielen dieser Zeit messen! 
2001-heute:    Die einzig übriggebliebene Flipperfirma STERN produziert Geräte mit dem seit 1990 bewährtem Dot-Matrix-Display.

 

Anmerkungen:

Die Jahreszahlen verstehen sich lediglich als Richtlinie und können bei einigen Ausnahmen abweichen.

Die äußeren Flippermerkmale sind in der Regel an allen Geräten der Hersteller Bally, Gottlieb und Williams anwendbar. Die Richtlinien bezogen auf die Digitalanzeigen können bei Gottlieb-Geräten abweichen.

 

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Die Hersteller

Die Geschichten der einzelnen Hersteller würden eigentlich ganze Bände füllen aber wir konzentrieren uns hier lediglich auf die Hersteller der Flipper in der Sammlung und halten es einigermaßen kurz :-)

MAX JENTZSCH & MEERZ

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Leipzig die Spiel-Automatenhauptstadt des Deutschen Reiches.  J & M war die erste Firma, welche sich ausschließlich mit der Herstellung von Unterhaltungsautomaten befasste. Zuvor waren diese Automaten nur zur Überbrückung von umsatzschwachen Monaten der Musik-Apparate-Industrie

 

BALLY

Im Jahre 1932 gründete ein gewisser Raymond T. Moloney, ein ehemaliger Teile-Zulieferer der Firma GOTTLIEB,  die Firma in Chicago, die sich Jahre später als zweiter "Flipper-Riese" etablieren sollte. Der Firmenname stammt von Moloney´s ersten erfolgreichen Bagatelle-Spiel namens BALLYHOO (engl. für "Getöse"), welches sich sensationell verkaufte. 

Der Namensgeber der Firma BALLY: BALLYHOO aus dem Jahre 1931

Obwohl man sich auch auf die Flipper-Herstellung konzentrierte, bestand die Haupt-Einnahmequelle langezeit aus den Slot-Machines (den "Einarmigen Banditen"), welche der Firma über 90% Weltmarkt-Anteil an diesen Geräten sicherte. Ende der 50ger Jahre lief der Flipper durch ein kleines Tief und BALLY entschloss sich die Produktion der "Vierbeiner"  vorrübergehend einzustellen. Erst im Jahre 1963 kam die Firma in die Flipper-Welt zurück und katapultierte sich mit sensationellen Erfindungen (z.B. "Zipper-Flipper" ) und Spitzengeräten wie CAPERSVILLE, THE WIGGLER usw. an die Spitze der "großen Drei".

Mit dem Aufkauf des Herstellers MIDWAY Ende der 60ger Jahre öffnete BALLY die Türen zu den Video-Spielen, da MIDWAY sich sehr schnell zum Video-Spiel-Entwickler Nummer 1 empor hob und mit Geräten, wie SPACE INVADERS und PAC-MAN unsterblich wurde. Die zweite große Flipperkrise Anfang der 80ger Jahre überlebte BALLY zwar, doch war die Firma seitdem finanziell angeschlagen. Der Konkurrent WILLIAMS ließ sich nicht lange bitten und kaufte 1988 kurzerhand den BALLY-Flipper-Zweig nebst MIDWAY auf. 

Heute ist die Firma in viele Geschäftsbereiche aufgeteilt, welche vom Glückspiel bis hin zu ganzen Hotelketten reichen - aber zur Flipperproduktion wird sie wohl nie mehr zurückfinden.     

GOTTLIEB

David Gottlieb, ein Geschäftmann aus Chicago, gründete im Jahr 1930 die Firma  DAVID GOTTLIEB & CO. nachdem er bereits in den 20ger Jahren erfolgreich im Münzautomaten-Geschäft mitmischen konnte. Bereits sein zweiter produzierter Flipper-Vorläufer namens BAFFLE BALL wurde 1931 so erfolgreich, dass seine Firma quasi über Nacht Weltmarktführer in Sachen Flipper wurde. Daneben stellte GOTTLIEB auch u.a. Baseball-Automaten her - diese sollten, wenn auch ungewollt, den Flipper zur Revolution in Sachen Spielgeschehen verhelfen.

 Im Jahre 1947 unterlief einem Angestellten beim Zusammenbau einer ebensolchen Maschine ein Fehler: Der "Schläger" (ein kleiner Hebel im unteren Spielfeld-Drittel, der nur für eine Betätigung pro Kugel ausgelegt war) schlug durch einen Kurzschluß immer wieder auf und nieder und kickte somit die Kugel ständig das Spielfeld hoch - dies eröffnete eine völlig neue Dimension - warum nicht diesen "Fehler" in die künftigen Flipper der Firma einbauen? Dies geschah mit dem kurz darauffolgendem Gerät namens HUMPTY DUMPTY, dem Vater aller Flipper-Geräte. Waren hier die Flipperfinger noch in 3 Paaren auf dem Spielfeld verteilt so reduzierte man generell die Anzahl auf zwei Stück - links und rechts unten. Es verstand sich von selbst,  dass alle namhaften Hersteller diese Erfindung kurzerhand übernahmen und die Flipper-Vorläufer hielten sich so nur noch wenige Jahre. 

Der Werbeflyer und die Spielfläche des 1947 erschienenen HUMPTY DUMPTY - der Vater aller Flipper! Die neu entwickelten Flipperfinger (die Anordnung war noch "spiegelverkehrt" im Gegensatz zu allen späteren Geräten) wurden noch als "Flipper-Bumpers" bezeichnet.

Durch ihre robuste Bauweise, die technischen Raffinessen (viele Zählwerkkästen hatten sog. "Animated Backglass" also z.B. Figuren welche sich beim Treffen bestimmter Spielfeldziele bewegten) und die farbenfrohe Gestaltung durch den Künstler Roy Parker beherrschten GOTTLIEBs Flipper langezeit die Branche. Auf entscheidende Neuerungen (wie z.B. die optische Neugestaltung Jerry Kelleys bei BALLY) verzichtete man in der eher konservativen Chef-Etage doch nahezu völlig. So baute man bei GOTTLIEB sogar noch im Jahre 1978  z. T. elektromechanische Flipper als bei BALLY und WILLIAMS elektronische Geräte zum "täglichen Brot" gehörten. Die erste große Flipper-Krise Anfang der 80ger Jahre überlebte GOTTLIEB nicht: im Jahre 1983 wurde die Firma in MYLSTAR ELECTRONICS umgetauft und 1984 hieß sie plötzlich PREMIER TECHNOLOGY, welche sich dann als erste der  großen drei Hersteller im Jahre 1996 endgültig von der Flipper-Welt verabschiedete. 

WILLIAMS

Die Firma wurde gegründet im Jahre 1943 inmitten den Wirren des 2. Weltkrieges  von  Harry Williams, dem damaligen Chef-Designer vom Automatenhersteller Pacific Amusement Manufacturing. Der nun selbständige Unternehmer produzierte zunächst Flipper-Umbauten für damals schon gängige Modelle der Konkurrenz. Erst als der Krieg und die damit verbundene Materialknappheit zuende war, konzentrierte er sich auf neue Flipper-Vorläufer-Modelle und die Produktion von Baseball-Geräten. 

Mit CONTACT entwarf Harry Williams bereits Jahre vor seiner Firmengründung den ersten elektrisch betriebenen "Flipper"

Williams Geräte boten sehr schnelle bedeutende Neuerungen in der Flippergeschichte auf, wie z.B. die mechanischen Zählwerke, welche schnell die fest bedruckten Punkteanzeigen verdrängten. Weitere Neuerungen waren z.B. der "Extra-Ball" (für US-Staaten, welche den Flipper zu Unrecht als Glücksspielautomaten auffasten und für die ein Freispiel nur eine Möglichkeit war vom Aufsteller sein Geld wieder zurück zu bekommen), das "Roulette-Rad" - erstmals zu sehen beim Flipper A-GO-GO - und die langen 3-Inch-Flipperfinger der späten 60ger Jahre. Nicht zu vergessen: Das oft verfluchte "TILT", welches abrupt das Flipperspiel beendete, stammt ebenfalls von Harry Williams, welcher den Mechanismus hierzu erfand!

Der erste vollelektronische Flipperautomat,  HOT TIP, lief 1976 vom Band und von nun an bestimmte die Firma mit Geräten, wie FIREPOWER, BLACK KNIGHT, SPACE SHUTTLE und HIGH SPEED zunehmend die anderen Flipper-Produzenten und konnte im Jahre 1988 den Konkurrent BALLY/MIDWAY übernehmen. Obwohl die Firma mit TERMINATOR II, THE ADDAMS FAMILY und STAR TREK TNG die Geräte technisch perfektionierte, konnte sie den Niedergang des Flippers Mitte der 90ger Jahre nicht aufhalten.  Der letzte Versuch, dem Flipper wieder Leben einzuhauchen, scheiterte 1999 kläglich mit den PINBALL 2000 - einer Verschmelzung vom traditionellen Flippertisch  mit den hochauflösenden Grafiken eines Computerspiels.

WILLIAMS hat seine Flipperproduktion endgültig aufgegeben und konzentriert sich nun als "WMS GAMING" auf Video-Spiele und andere Geräte rund um diesen Markt.

 

eine Anmerkung zum Schluß:

Die Fotos auf dieser Seite sind leider nicht aus unserer Sammlung. Sie wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt!

 

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