Wer...was.. Jerry wer ?? Nun ja zugegeben...einem Flipper-Neuling wird dieser Name überhaupt nichts sagen und selbst denjenigen, die die Geräte der 60ger Jahre durchgespielt haben, werden meist nur ein Achselzucken zur Antwort geben. Als erklärte Kelley Fans wollen wir hier ein nun wenig Aufklärung betreiben :-).

Kurzgesagt... Jerry K. Kelley war es der dem Flipper graphisch - und auch technisch - ein völlig neues Erscheinungsbild gab.

Wie nun genau Kelley als Zeichner in die Flipperbranche kam ist uns leider nicht bekannt. Zu den ersten Geräten, die er zeichnerisch gestaltete, zählten  die Bowling-Automaten  von United/Williams, wie z.B. OASIS aus dem Juni 1965. Im selben Monat kam sein erster Flipper mit Namen POT O´ GOLD (Williams) auf den Markt. Spätestens jetzt sprang dem Flipperaner die völlig neue Art der Graphik in die Augen: 

Bis Mitte der 60ger Jahre war es üblich dargestellte Menschen, Tiere und Gegenstände aller Art in natürlichen Farben relativ detailgenau abzubilden.

Doch nun kam Kelley: Er "zerlegte" Menschen und Objekte im geometrische Grundformen und untermalte die Zeichnungen in ungewöhnlichen Farben auf eine extravagante Art und Weise. 

 

Ein Musterbeispiel der "Vor-Kelley-Ära": Die Zeichnungen vom Gottlieb-Designer Roy Parker aus dem Jahre 1958. Ein typischer Kelley: Der Cowboy wird von einer Horde wildgewordener Rinder umgerannt - auf den ersten Blick kaum zu erkennen !  

Als er kurz darauf zum Konkurrenten Bally wechselte, erschuf er gleich eine ganze Palette skurril gezeichneter Flipper, wie z.B. den legendären CAPERSVILLE, WIGGLER, ALLIGATOR, DOGIES, ROCKMAKERS, COSMOS - alle (sowie POT O`GOLD und BEAT TIME) in unserer Sammlung zu finden! Kelley verewigte sich im Flipper A-GO-GO sowie beim ROCKMAKERS als Tänzer bzw. als breitnasiger Steinzeitmensch sogar selbst. 

 

Dreimal Jerry K. Kelley: links als spitzbärtiger Tänzer im Flipper A-GO-GO (1966), rechts als pausbäckiger Steinzeitmensch beim ROCKMAKERS (1968) und das Original. Das Foto wurde uns von den Jungs vom AUTOMATENMAGAZIN.DE freundlicherweise zur Verfügung gestellt. 

Nicht nur Kelleys Grafiken waren bahnbrechend neu in der Flipperszene. Auch seine technischen Entwürfe vereinfachten vor allem die Wartung der damaligen Flipper: so konstruierte er einen Mechanismus, mit dem man auf einfachste Weise das Relais-Brett der Flipper nach oben klappen konnte - sofort waren alle Relais, Schrittwerke und Motoren für den Techniker zugänglich! Wenig später (Premiere beim Flipper WIGGLER)  folgte die nach oben abnehmbare Spielfeldscheibe. Die neuen schwarz lackierten Flipperbeine gingen ebenfalls auf Kelleys Konto

Da der "Meister" jedoch trotz der Verkaufserfolge immer öfter mit seinem Chef wegen seiner ungewöhnlichen Zeichnungen aneinander geriet, verlies Kelley bereits kurze Zeit später die Firma und zog sich ganz aus dem Flipper-Geschäft zurück. Doch einiges blieb der "Flipper-Nachwelt" von ihm erhalten. Dies waren zum einen die schon erwähnten schwarz lackierten Flipperbeine, zum andern war es eine kleine Figur, die noch bis Mitte der 70ger Jahre das Spielfeld-Abschlußblech der Bally-Geräte zieren sollte: der "Jongleur". 

Seltsamerweise kamen Kelleys oft abgelehnten Zeichnungen plötzlich derart in Mode, dass diese haufenweise (mehr schlecht als recht) von verschiedensten Zeichnern kopiert wurden. So gehörten diese "spitzen Ellbogen" bis Mitte der 70ger Jahre zum Standard-Repertoire von Williams (z.B. JACKPOT, STARDUST, STAR POOL etc.).

Kelleys "Erbe": Der "Jongleur"

mäßige Figuren-Kopie beim JACKPOT

 Auch der Bally-Flipper MARINER stammt, entgegen vieler hartnäckiger Meinungen, nachweislich NICHT von Kelley: Die Figuren sind ohne die typische Detailverliebtheit in für den Künstler zu natürlichen Farben gezeichnet. Tatsächlich stammt das Gerät vom Zeichner Christian Marche, der auch viele 70ger-Jahre-Williams-Geräte gestaltete.

 

Jerry K. Kelley starb im September 2002. Er wurde 80 Jahre alt.

 

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